Jenseits von Lampedusa – zum Umgang mit Geflüchteten in Italien

Neue Eltern, neuer Sohn. Riace 2014 Foto: Wolfgang Hermann

Datum/Zeit
26.09.2018
18:00 - 20:00 Uhr

Veranstaltungsort
Internationales Begegnungszentrum


Vortrag und Gespräch

Seit dem Regierungswechsel verweigert die neue italienische Regierung Schiffen mit Migranten an Bord das Anlegen an ihren Häfen. NGOs, die auf dem Mittelmeer aktiv sind, werden seitdem zunehmend als Gegner, nicht als Partner gesehen und kriminalisiert, indem ihnen Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen wird.
In der Tat war Italien über viele Jahre hinweg zentrale Anlaufstelle für sogenannte „Bootsflüchtlinge“ aus Afrika. Allen Versprechungen zum Trotz sah es sich dabei von den anderen EU-Mitgliedsstaaten weitgehend im Stich gelassen, sei es bei der Seenotrettung von Geflüchteten im Rahmen der Operation „Mare Nostrum“, sei es bei der Aufnahme, der Versorgung und dem Weitertransport. Im Zeichen zunehmender EU-Kritik konnten diese Missstände von den europaskeptischen Parteien im Wahlkampf sehr erfolgreich aufgegriffen werden, getreu dem Wahlkampfspruch – und gegenwärtigen Regierungsmotto – des italienischen Innenministers Matteo Salvini von der Lega Nord: „Prima gli italiani“ (Italiener zuerst). Wenig überraschend, nehmen seit dem Regierungswechsel rassistische Übergriffe und Pöbeleien in Italien zu.

Doch lassen wir uns davon nicht drüber hinwegtäuschen, dass es auch ganz anders zugeht in Italien: Die Ausstellung des Courage e. V. widmet sich dem Mut, dem Engagement und der Menschlichkeit, mit der Geflüchtete in einigen kleinen Orten in Kalabrien, der ärmsten Gegend Italiens, aufgenommen worden sind und werden.

Wie ist die Haltung der gegenwärtigen italienischen Regierung zu bewerten, und welche Folgen wird sie für die europäische Flüchtlingspolitik haben? Wie stellt sich die aktuelle Lage für die Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer dar? Welche Spielräume bleiben für Solidarität und Menschlichkeit, und wie können sie erfolgreich genutzt werden?

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung „Topographien der Menschlichkeit: JENSEITS VON LAMPEDUSA – WILLKOMMEN IN KALABRIEN“ statt, die vom 23.9. bis 3.10. im IBZ des Ausländerrates Dresden e.V. zu sehen ist.

Wir freuen uns auf

Freya Grünhagen, Referentin für Frankreich, Italien und Spanien, Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin

Axel Steier, MISSION LIFELINE Dresden

Moderation: Dr. André Fleck, Dresden

Eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen, Büro Dresden in Kooperation mit dem Ausländerrat Dresden e.V.

 

Foto: „Neue Eltern, neuer Sohn. Riace 2014“ von Wolfgang Hermann